Prof. h. c. Dr. Karl A. Lamers MdB äußert sich tief besorgt über die aktuellen Entwicklungen in den USA

Der CDU-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Heidelberg/Weinheim und stv. Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Prof. h. c. Dr. Karl A. Lamers, äußert sich tief besorgt über die aktuellen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Neben dem angekündigten Abzug der amerikanischen Soldaten aus Syrien will US-Präsident Donald Trump nun wohl auch Truppen aus Afghanistan abziehen.

„In Syrien werden Freunde und Verbündete im Kampf gegen den IS im Stich gelassen. Die Frage, ob der IS besiegt ist, wie US-Präsident Trump meint, ist meines Erachtens eindeutig mit NEIN zu beantworten. Die Entscheidung hinsichtlich Afghanistans halte ich für unüberlegt und stößt bei mir auf völliges Unverständnis. In meinen Augen ein großer Fehler. Ein überstürzter geplanter Teilabzug der US-Truppen aus Afghanistan könnte all das gefährden, was wir in vielen Jahren gemeinsam aufgebaut haben. Da bleibt sicher noch viel zu tun. Wir schulden es aber unseren Soldatinnen und Soldaten, die dort ihr Leben und ihre Gesundheit für uns einsetzen, dass wir uns – geordnet im Bündnis – erst dann zurückziehen, wenn eine echte Friedensperspektive für das Land und die Menschen erreicht ist. Alles andere halte ich für unverantwortlich.

Was wir brauchen sind Vertrauen und Verlässlichkeit sowie ein abgestimmtes Verhalten im Bündnis. Was wir erleben sind einsame Hau-Ruck-Entscheidungen. Wo bleibt der Respekt gegenüber den Bündnispartnern? Das Vorgehen hat weitreichende Folgen für alle. Ich bezweifle, dass die Entscheidungen in Washington ein Ergebnis strategischer Überlegungen sind. Das zeigt auch der überraschende Rücktritt von US-Verteidigungsminister James Mattis, den ich als dramatisch bewerte, denn mit ihm verlieren wir einen weiteren vernünftigen Politiker unter Trump. Er war ein Anker der Stabilität und bemüht, auf Trumps außenpolitische Vorhaben positiv Einfluss zu nehmen. Jahrelang hat er in wichtigen Führungspositionen im westlichen Bündnis gearbeitet und weiß über die Vorzüge der NATO.

 

Die Zusammenarbeit mit den USA ist für mich nach wie vor unverzichtbare Grundlage für Sicherheit und Freiheit in Europa. Seit Donald Trumps Präsidentschaft ist das transatlantische Band zweifellos fragiler geworden. Für mich ist jetzt allerdings ein Punkt erreicht, an dem man sich ernsthaft Gedanken machen muss, wie es im Bündnis weitergeht. Früher haben wir uns rundum auf Amerika verlassen können und verlassen. Heute sind wir gefordert, selbst mehr Verantwortung zu übernehmen und uns stärker auf die eigenen Verteidigungskräfte in Europa zu konzentrieren.

 

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hatte wohl Recht, als sie im vergangenen Jahr in Trudering ausführte: “Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt. Und deshalb kann ich nur sagen: Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.”

Der Alleingang Trumps lässt Zweifel daran aufkommen, wie die Vereinigten Staaten von Amerika künftig ihrer Rolle als Weltmacht gerecht werden wollen. Für mich zeigt sich in diesen Stunden ganz klar: Wir brauchen heute mehr denn je eine starke NATO, in der sich jeder auf den anderen verlassen kann und eine verstärkte Zusammenarbeit in der Europäischen Union auf dem Gebiet der Sicherheit und Verteidigung, um auch in Zukunft in Frieden und Freiheit leben zu können. Die Nachricht aus Amerika macht mich tief besorgt.“, so Lamers.

Prof. h. c. Dr. Lamers leitet seit über 12 Jahren die deutsche Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO und ist Vorsitzender des Unterausschusses „Transatlantische Beziehungen“.